Schiffe & U-Boote

Deutsches Marinemuseum Wilhelmshaven – Auf Tauchstation zwischen Zerstörern und U-Booten

Marinemuseum Wilhelmshaven am Jadebusen
Marinemuseum Wilhelmshaven am Jadebusen

Einmal auf der Brücke eines echten Kriegsschiffes stehen, durch die engen Gänge eines U-Bootes klettern oder die gewaltigen Waffensysteme eines Zerstörers aus nächster Nähe betrachten: Im Deutschen Marinemuseum in Wilhelmshaven wird die Geschichte der deutschen Seestreitkräfte auf besondere Weise lebendig. Direkt am Südstrand der Nordseestadt gelegen, verbindet das Museum eine umfangreiche historische Ausstellung mit einem Museumshafen, in dem ehemalige Kriegsschiffe der Bundesmarine besichtigt werden können.

Zu den eindrucksvollsten Exponaten gehören der 134 Meter lange Lenkwaffenzerstörer „Mölders“, das Unterseeboot U 10 und das Schnellboot „Gepard“. Die Besucher erfahren nicht nur, wie sich die Marine seit dem 19. Jahrhundert entwickelt hat, sondern erhalten auch einen unmittelbaren Eindruck vom Leben der Soldaten auf See.

Die Ausstellung spannt einen Bogen von der ersten gesamtdeutschen Flotte des Jahres 1848 über die Kaiserliche Marine und die beiden Weltkriege bis zur Bundesmarine, der Volksmarine der DDR und den heutigen Aufgaben der Deutschen Marine. Damit gehört das Marinemuseum zu den interessantesten militärhistorischen Sehenswürdigkeiten an der deutschen Nordseeküste.

Die Geschichte des Deutschen Marinemuseums

Von der Kaiserlichen Werft zum Marinemuseum

Die Geschichte des Deutschen Marinemuseums ist eng mit der Entwicklung Wilhelmshavens als Kriegshafen verbunden. Bereits im 19. Jahrhundert entstand an der Jade einer der wichtigsten Marinestandorte Deutschlands. Die Stadt entwickelte sich zu einem Zentrum des Kriegsschiffbaus und der militärischen Seefahrt.

Das heutige Museum befindet sich auf einem historisch bedeutenden Gelände. Sein Hauptgebäude wurde 1888 als Scheibenhofwerkstatt des Torpedohofes der Kaiserlichen Werft errichtet. Hier befanden sich ursprünglich Einrichtungen, die für den Betrieb und die Erprobung maritimer Waffentechnik genutzt wurden.

   

Die erhaltene Industriearchitektur erinnert noch heute an die Zeit, als Wilhelmshaven zu den bedeutendsten Werftstandorten des Deutschen Kaiserreichs gehörte.


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Die Eröffnung 1998 und der Ausbau der Museumsflotte

Die Idee zur Gründung eines eigenständigen Marinemuseums entstand 1988. Engagierte Bürger, Marineangehörige und Förderer wollten die Geschichte der deutschen Seestreitkräfte dauerhaft dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Marinemuseum Wilhelmshaven
Marinemuseum Wilhelmshaven

1998 öffnete das Deutsche Marinemuseum schließlich seine Türen. Von Beginn an sollte es nicht nur historische Gegenstände ausstellen, sondern auch die politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge der Marinegeschichte vermitteln.

Mit der Aufnahme ausgedienter Kriegsschiffe entwickelte sich das Museum zunehmend zu einer besonderen Attraktion. Das Unterseeboot U 10, das Minenjagdboot „Weilheim“, der Zerstörer „Mölders“ und später das Schnellboot „Gepard“ erweiterten die Ausstellung um eindrucksvolle Originalschauplätze.

Deutsche Marinegeschichte von 1848 bis heute

Die Reichsflotte und die Anfänge einer deutschen Marine

Die Geschichte einer gesamtdeutschen Marine begann während der Revolution von 1848. Die Frankfurter Nationalversammlung beschloss den Aufbau einer eigenen Flotte, um deutsche Handelsinteressen auf See zu schützen und die Küstenverteidigung zu verbessern.

Die sogenannte Reichsflotte war die erste Seestreitmacht unter einer gesamtdeutschen Flagge. Sie bestand jedoch nur wenige Jahre. Nach dem Scheitern der Revolution und der Auflösung der deutschen Zentralgewalt wurden ihre Schiffe 1852 und 1853 wieder verkauft.

Dennoch gilt die Reichsflotte als wichtiger Ausgangspunkt der deutschen Marinegeschichte. Im Marinemuseum wird deutlich, wie eng die Entstehung einer eigenen Flotte mit den politischen Bestrebungen nach nationaler Einheit verbunden war.

Die Kaiserliche Marine und das Wettrüsten mit Großbritannien

Nach der Reichsgründung von 1871 gewann die Marine zunehmend an Bedeutung. Besonders unter Kaiser Wilhelm II. wurde der Ausbau einer schlagkräftigen Hochseeflotte zu einem zentralen Bestandteil deutscher Weltmachtpolitik.

Der Bau großer Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer führte zu einem kostspieligen Flottenwettrüsten mit Großbritannien. Wilhelmshaven entwickelte sich in dieser Zeit zu einem der wichtigsten Stützpunkte der Kaiserlichen Marine.

Die Ausstellung veranschaulicht diese Entwicklung anhand historischer Schiffsmodelle, Dokumente und technischer Exponate. Sie zeigt zugleich, wie die Flottenpolitik die internationalen Spannungen vor dem Ersten Weltkrieg verschärfte.

Uniform eines General-Adjutanten Kaiser Wilhelms II.
Uniform eines General-Adjutanten Kaiser Wilhelms II.

Die Skagerrakschlacht und der Erste Weltkrieg

Während des Ersten Weltkrieges spielte die deutsche Hochseeflotte eine wichtige Rolle in der militärischen Strategie des Kaiserreichs. Die größte Auseinandersetzung zwischen deutschen und britischen Kriegsschiffen fand am 31. Mai und 1. Juni 1916 in der Nordsee statt.

In der Skagerrakschlacht trafen die deutsche Hochseeflotte und die britische Grand Fleet aufeinander. Mehr als 100.000 Seeleute waren an den Kämpfen beteiligt. Insgesamt verloren über 8.500 Menschen ihr Leben.

Obwohl die deutsche Flotte den Briten erhebliche Verluste zufügte, konnte sie die britische Seeherrschaft nicht brechen. Die Seeblockade Deutschlands blieb bestehen.

Ein besonderes Ausstellungsstück des Marinemuseums erinnert an diese Schlacht: ein Geschützrohr des deutschen Schlachtkreuzers SMS „Seydlitz“, der bei den Kämpfen schwer beschädigt wurde.

Die Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg

Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme begann eine neue Phase der deutschen Marinegeschichte. Die Kriegsmarine wurde aufgerüstet und in die aggressive Expansionspolitik des NS-Regimes eingebunden.

Während des Zweiten Weltkrieges kamen neben großen Überwasserschiffen vor allem U-Boote zum Einsatz. Der deutsche U-Boot-Krieg richtete sich insbesondere gegen die alliierten Nachschubverbindungen im Atlantik.

Die Kämpfe forderten auf beiden Seiten hohe Verluste. Von den rund 40.000 deutschen U-Boot-Fahrern des Zweiten Weltkrieges kamen etwa 30.000 ums Leben.

Das Marinemuseum beschäftigt sich mit der militärischen Entwicklung ebenso wie mit den politischen Hintergründen, der Verantwortung der Kriegsmarine und den menschlichen Folgen des Seekrieges.

Bundesmarine und Volksmarine während des Kalten Krieges

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in den beiden deutschen Staaten neue Seestreitkräfte. Die Bundesrepublik gründete 1956 die Bundesmarine, während die DDR ihre Volksmarine aufbaute.

Beide Marinen gehörten gegnerischen Militärbündnissen an. Die Bundesmarine war in die NATO eingebunden, die Volksmarine in den Warschauer Pakt.

Besonders die Ostsee entwickelte sich zu einem strategisch bedeutenden Operationsgebiet. Schnellboote, U-Boote, Minensuchboote und Fregatten spielten in den Verteidigungsplanungen beider Seiten eine wichtige Rolle.

Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 endete diese militärische Teilung. Die heutige Deutsche Marine entstand aus der Bundesmarine und übernahm im Laufe der folgenden Jahrzehnte zunehmend internationale Aufgaben.

Zerstörer „Mölders“ – Ein Gigant der Bundesmarine

134 Meter Marinegeschichte zum Anfassen

Der ehemalige Lenkwaffenzerstörer „Mölders“ ist das größte und wohl eindrucksvollste Ausstellungsstück des Deutschen Marinemuseums. Das Kriegsschiff mit der Kennung D 186 gehörte zur Lütjens-Klasse und wurde 1969 bei der Bundesmarine in Dienst gestellt.

Gebaut wurde die „Mölders“ in den Vereinigten Staaten. Die Lütjens-Klasse basierte auf der amerikanischen Charles-F.-Adams-Klasse und war vor allem für die Luftverteidigung größerer Flottenverbände vorgesehen.

Mit einer Länge von rund 134 Metern und einer Verdrängung von mehr als 4.000 Tonnen gehörte die „Mölders“ zu den bedeutenden Überwasserkriegsschiffen der Bundesmarine während des Kalten Krieges.

Nach 34 Dienstjahren wurde der Zerstörer 2003 außer Dienst gestellt. Seit 2005 liegt er als Museumsschiff in Wilhelmshaven.

Zerstörer Mölders D 186
Zerstörer Mölders D 186

Wie lebten mehr als 300 Soldaten an Bord?

Ein Rundgang durch die „Mölders“ vermittelt einen ungewöhnlich direkten Eindruck vom Alltag auf einem Kriegsschiff. Über schmale Treppen und lange Gänge gelangen Besucher in die verschiedenen Bereiche des Schiffes.

Die Mannschaftsunterkünfte zeigen, wie wenig persönlicher Raum den Soldaten zur Verfügung stand. Mehrere Besatzungsmitglieder teilten sich Schlafräume, während persönliche Gegenstände in kleinen Schränken verstaut werden mussten.

Auch die Gemeinschaftsräume, sanitären Einrichtungen und Arbeitsplätze verdeutlichen, wie stark das Leben an Bord durch feste Abläufe und militärische Disziplin geprägt war.

Während längerer Seefahrten verbrachte die Besatzung Wochen oder Monate auf engem Raum. Schichtdienst, Übungen und die ständige technische Überwachung des Schiffes bestimmten den Tagesablauf.

Auf der Brücke des Zerstörers

Besonders interessant ist der Blick in die Kommandoeinrichtungen. Von der Brücke aus wurde das Schiff navigiert und gesteuert. Hier liefen wichtige Informationen über Kurs, Geschwindigkeit, Wetter und die Umgebung zusammen.

Der Besuch vermittelt einen Eindruck davon, wie anspruchsvoll die Führung eines großen Kriegsschiffes war. Zahlreiche Besatzungsmitglieder mussten eng zusammenarbeiten, um Navigation, Maschinenbetrieb und militärische Aufgaben zu koordinieren.

Bewaffnung und Technik der „Mölders“

Der Zerstörer verfügte über eine für seine Zeit leistungsfähige Bewaffnung. Dazu gehörten unter anderem zwei 127-mm-Schiffsgeschütze, ein Flugabwehrraketensystem und Torpedowaffen zur U-Boot-Abwehr.

Radar- und Feuerleitanlagen ermöglichten es, Ziele auf große Entfernungen zu erfassen und zu bekämpfen.

Besonders auffällig sind die großen Antennenanlagen und die markanten Aufbauten des Schiffes. Sie verdeutlichen, welche Bedeutung elektronische Ortung und Kommunikation bereits während des Kalten Krieges besaßen.

U-Boot U 10 – Abtauchen in eine andere Welt

Ein U-Boot aus der Zeit des Kalten Krieges

Das Unterseeboot U 10 gehört zur Klasse 205 der ehemaligen Bundesmarine. Es wurde 1967 in Dienst gestellt und war bis 1993 im Einsatz.

Die deutschen U-Boote dieser Klasse waren vergleichsweise klein und speziell für den Einsatz in den flachen Gewässern der Ostsee entwickelt worden.

Ihre Hauptaufgaben bestanden darin, gegnerische Schiffsbewegungen aufzuklären und im Verteidigungsfall feindliche Überwasserschiffe oder U-Boote zu bekämpfen.

Heute liegt U 10 im Museumshafen und kann von Besuchern betreten werden.

U-Boot U 10
U-Boot U 10

22 Mann auf engstem Raum

Wer das U-Boot betritt, erkennt schnell, wie außergewöhnlich die Lebensbedingungen unter Wasser waren.

Der Druckkörper bot nur wenig Platz. Rohrleitungen, Ventile, elektrische Anlagen und technische Geräte beanspruchten einen großen Teil des Innenraums. Die Besatzung musste sich durch schmale Gänge und runde Schotten bewegen.

Schlafplätze waren knapp, und auch für die persönliche Ausrüstung stand nur wenig Raum zur Verfügung.

Während eines Einsatzes konnten die Soldaten das Boot nicht einfach verlassen. Sie waren auf die zuverlässige Funktion der technischen Anlagen und die Zusammenarbeit ihrer Kameraden angewiesen.

Torpedoraum, Zentrale und Maschinenraum

Ein besonderer Höhepunkt ist der Blick in die technischen Bereiche des U-Bootes.

Im Bug befinden sich die Torpedorohre, die ursprünglich zur Bekämpfung gegnerischer Schiffe vorgesehen waren. Die Zentrale bildete das Herzstück des Bootes. Von hier aus wurden Tauchvorgänge überwacht, Kurse festgelegt und wichtige technische Funktionen gesteuert.

Im Maschinenbereich lässt sich erkennen, wie eng die Antriebsanlagen in den Rumpf integriert waren.

Der Rundgang vermittelt einen Eindruck davon, wie viel Technik auf wenigen Metern untergebracht werden musste.

Warum waren U-Boote im Kalten Krieg so wichtig?

U-Boote galten während des Kalten Krieges als besonders wirkungsvolle Waffensysteme. Ihre Fähigkeit, sich weitgehend unbemerkt unter Wasser zu bewegen, machte sie für Aufklärung und militärische Operationen wertvoll.

Gerade in der Ostsee mit ihren vergleichsweise geringen Wassertiefen und zahlreichen Engstellen waren kleine, wendige U-Boote von strategischer Bedeutung.

U 10 steht damit stellvertretend für einen wichtigen Teil der westdeutschen Verteidigungsplanung während des Ost-West-Konflikts.

Schnellboot „Gepard“ – Klein, schnell und schwer bewaffnet

Ein Schnellboot für die Ostsee

Das Flugkörperschnellboot S 71 „Gepard“ gehörte zur Klasse 143A der Bundesmarine. Die Boote dieser Klasse wurden für schnelle Einsätze in küstennahen Gewässern entwickelt.

Im Vergleich zu großen Zerstörern und Fregatten waren Schnellboote wesentlich kleiner. Dennoch verfügten sie über eine beachtliche Kampfkraft.

Ihre Aufgabe bestand insbesondere darin, gegnerische Überwasserschiffe zu bekämpfen und wichtige Seegebiete zu überwachen.

Schnellboot Gepard
Schnellboot Gepard

Geschwindigkeit als militärischer Vorteil

Die Schnellboote der Gepard-Klasse erreichten Geschwindigkeiten von mehr als 40 Knoten. Damit waren sie deutlich schneller als viele größere Kriegsschiffe.

Diese Geschwindigkeit ermöglichte es ihnen, rasch in ein Einsatzgebiet vorzustoßen und nach einem Angriff wieder abzudrehen.

Die Kombination aus hoher Geschwindigkeit, geringer Größe und moderner Bewaffnung machte die Schnellboote zu wichtigen Einheiten der Küstenverteidigung.

Flugkörper und moderne Waffensysteme

Die „Gepard“ war unter anderem mit Seezielflugkörpern des Typs Exocet, Artillerie und einem Flugabwehrsystem ausgerüstet.

Die Bewaffnung zeigt, wie sich die Seekriegsführung im Laufe des 20. Jahrhunderts veränderte. Während ältere Kriegsschiffe vor allem auf großkalibrige Geschütze angewiesen waren, konnten moderne Schnellboote ihre Ziele mit gelenkten Flugkörpern aus größerer Entfernung bekämpfen.

Seit 2016 gehört die „Gepard“ zur Museumsflotte in Wilhelmshaven.

Minenjagdboot „Weilheim“ – Auf der Suche nach unsichtbaren Gefahren

Warum Minenjagdboote aus Holz gebaut wurden

Das Minenjagdboot M 1077 „Weilheim“ gehört zur Lindau-Klasse der ehemaligen Bundesmarine.

Die Schiffe dieser Klasse besaßen einen hölzernen Rumpf. Diese Bauweise hatte einen wichtigen militärischen Hintergrund: Holz ist nicht ferromagnetisch und trägt deshalb dazu bei, die magnetische Signatur eines Schiffes zu verringern.

Das war besonders bei der Suche nach Seeminen von Bedeutung. Viele moderne Minen reagieren nicht nur auf Berührung, sondern auch auf Veränderungen magnetischer oder akustischer Felder.

Die gefährliche Aufgabe der Minenabwehr

Seeminen gehören zu den langlebigsten und gefährlichsten Waffen der Seekriegsführung. Sie können Schifffahrtswege blockieren und stellen auch nach dem Ende eines Krieges eine erhebliche Gefahr dar.

Minenabwehrfahrzeuge haben die Aufgabe, solche Sprengkörper aufzuspüren, zu identifizieren und unschädlich zu machen.

Die „Weilheim“ steht stellvertretend für die Entwicklung dieser spezialisierten Marineeinheiten. Ihre technischen Einrichtungen und ihre besondere Konstruktion zeigen, welche Anforderungen die Minenabwehr an Schiffe und Besatzungen stellt.

Das Ende eines historischen Museumsschiffes

Die „Weilheim“ gehörte über viele Jahre zu den schwimmenden Exponaten des Deutschen Marinemuseums.

Für den 31. Oktober 2026 ist ihre Verabschiedung aus dem Museumsbetrieb vorgesehen. Schäden an der hölzernen Schiffsstruktur machen eine dauerhafte Erhaltung zunehmend schwierig.

Damit verliert das Museum ein wichtiges Zeugnis der frühen Bundesmarine. Zugleich verdeutlicht das Beispiel, wie aufwendig die Erhaltung historischer Schiffe ist, die dauerhaft der Witterung und dem Salzwasser ausgesetzt sind.

Weitere Schätze im Museumshafen

Ein Torpedoschnellboot der DDR-Volksmarine

Neben den Schiffen der ehemaligen Bundesmarine zeigt das Marinemuseum auch Exponate aus der Geschichte der DDR-Volksmarine.

Dazu gehört ein kleines Torpedoschnellboot des sowjetisch entwickelten Typs „Libelle“. Diese Boote waren für schnelle Angriffe in küstennahen Gewässern vorgesehen.

Das Exponat erinnert daran, dass während des Kalten Krieges zwei deutsche Marinen existierten, die unterschiedlichen politischen und militärischen Systemen angehörten.

Torpedoschnellboot der DDR-Volksmarine
Torpedoschnellboot der DDR-Volksmarine

Historische Schiffsgeschütze und Seeminen

Auf dem Freigelände befinden sich zahlreiche weitere Ausstellungsstücke, darunter Schiffsgeschütze, Seeminen, Torpedos und technische Anlagen.

Sie dokumentieren die Entwicklung der maritimen Waffentechnik über mehrere Generationen hinweg.

Besonders eindrucksvoll sind die großkalibrigen Geschützrohre, die einen Eindruck von den Dimensionen der schweren Artillerie früherer Kriegsschiffe vermitteln.

Kleinst-U-Boot „Seehund“ – Zwei Mann auf geheimer Mission

Ein besonderes Exponat in den Ausstellungsräumen des Deutschen Marinemuseums ist das Kleinst-U-Boot vom Typ XXVII B „Seehund“. Es wurde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges für die deutsche Kriegsmarine entwickelt und war nur rund zwölf Meter lang. Die Besatzung bestand aus lediglich zwei Mann, die auf engstem Raum zusammenarbeiten mussten. Bewaffnet mit zwei außen angebrachten Torpedos, wurde der „Seehund“ vor allem für Angriffe auf alliierte Schiffe in küstennahen Gewässern eingesetzt. Das restaurierte Original vermittelt einen eindrucksvollen Einblick in die U-Boot-Technik der letzten Kriegsmonate.

Kleinst-U-Boot vom Typ XXVII B „Seehund“
Kleinst-U-Boot vom Typ XXVII B „Seehund“

Originalteile berühmter Kriegsschiffe

Zu den bemerkenswerten historischen Objekten gehört ein 28-cm-Geschützrohr des Schlachtkreuzers SMS „Seydlitz“.

Das Schiff nahm an mehreren bedeutenden Operationen der Kaiserlichen Marine teil und wurde während der Skagerrakschlacht 1916 schwer getroffen.

Auch Teile der Panzerung des deutschen Schlachtschiffes „Tirpitz“ erinnern an die Geschichte der großen Kriegsschiffe des Zweiten Weltkrieges.

Diese Originalteile stellen eine unmittelbare Verbindung zu den historischen Ereignissen her, die in der Dauerausstellung behandelt werden.

Ausstellungsräume
Ausstellungsräume

Wilhelmshaven – Deutschlands traditionsreicher Marinestandort

Der Jadevertrag von 1853 – Wie alles begann

Die Entwicklung Wilhelmshavens zur Marinestadt begann mit einer politischen Entscheidung Mitte des 19. Jahrhunderts. Preußen benötigte einen eigenen Kriegshafen an der Nordsee, um seine Seestreitkräfte unabhängig von anderen deutschen Staaten einsetzen zu können.

Mit dem Jadevertrag vom 20. Juli 1853 erwarb Preußen vom Königreich Hannover ein Gebiet am Jadebusen. In den folgenden Jahren entstanden Hafenbecken, Werften, Befestigungsanlagen und Unterkünfte für die Marine.

Am 17. Juni 1869 wurde der neue Kriegshafen durch König Wilhelm I. feierlich eingeweiht. Gleichzeitig erhielt die entstehende Stadt den Namen Wilhelmshaven.

Der Kriegshafen im Ersten und Zweiten Weltkrieg

Während des Deutschen Kaiserreichs entwickelte sich Wilhelmshaven zu einem der wichtigsten Stützpunkte der Hochseeflotte.

Besonders vor dem Ersten Weltkrieg wurden die Hafen- und Werftanlagen erheblich erweitert. Große Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer konnten hier gewartet, repariert und ausgerüstet werden.

Im Ersten Weltkrieg war Wilhelmshaven Ausgangspunkt zahlreicher Flottenoperationen. Auch der Matrosenaufstand von 1918 hatte hier einen wichtigen Vorläufer, als sich Besatzungen gegen einen geplanten letzten Flottenvorstoß auflehnten.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt erneut zu einem bedeutenden Kriegshafen und Werftstandort. Die militärischen Anlagen waren wiederholt Ziel alliierter Luftangriffe, bei denen große Teile Wilhelmshavens zerstört wurden.

Wilhelmshaven als Marinestützpunkt der Gegenwart

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verlor Wilhelmshaven zunächst einen erheblichen Teil seiner militärischen Bedeutung.

Mit der Gründung der Bundesmarine 1956 wurde die Stadt jedoch wieder zu einem wichtigen Standort deutscher Seestreitkräfte.

Heute befindet sich in Wilhelmshaven der größte Marinestützpunkt Deutschlands. Hier sind unter anderem Fregatten und Versorgungsschiffe stationiert, die an internationalen Einsätzen, Übungen und Überwachungsmissionen teilnehmen.

Das Deutsche Marinemuseum erinnert damit nicht nur an die Vergangenheit der Stadt, sondern stellt auch eine Verbindung zu ihrer heutigen maritimen Bedeutung her.

Marinehistorische Hafenrundfahrt – Geschichte vom Wasser aus erleben

Mit dem Schiff durch den Marinehafen

Eine besondere Ergänzung zum Museumsbesuch bieten die marinehistorischen Hafenrundfahrten.

Vom Wasser aus eröffnet sich eine andere Perspektive auf die historischen Hafenanlagen und die Entwicklung Wilhelmshavens. Während der Fahrten werden die Geschichte des Kriegshafens, die früheren Werftanlagen und die Bedeutung des Marinestandortes erläutert.

Je nach Route und betrieblichen Bedingungen können auch Bereiche des heutigen Marinehafens aus der Entfernung betrachtet werden.

Historische Werften und moderne Marineschiffe

Die Hafenrundfahrt macht deutlich, wie sehr sich Wilhelmshaven seit dem 19. Jahrhundert verändert hat.

Wo einst Schlachtschiffe der Kaiserlichen Marine lagen, bestimmen heute moderne Hafenanlagen, Versorgungseinrichtungen und Marineschiffe das Bild.

Die Fahrten werden saisonal angeboten und dauern in der Regel etwa 90 Minuten. Informationen zu Terminen und Tickets bietet das Museum auf seiner offiziellen Website.

Die Zukunft des Marinemuseums – Großer Umbau ab 2027

Zwei Museumsstandorte während der Bauarbeiten

Das Deutsche Marinemuseum wird ab 2027 umfassend modernisiert und erweitert. Die Arbeiten betreffen sowohl die historischen Hafenanlagen als auch die Ausstellungsflächen und die Unterbringung der Museumsschiffe.

Damit das Museum während der Bauphase weiterhin besucht werden kann, ist eine Aufteilung auf zwei Standorte vorgesehen.

Am Südstrand bleiben das Unterseeboot U 10 und die bisherige Dauerausstellung „Menschen – Zeiten – Schiffe“ zugänglich.

Der Zerstörer „Mölders“ und das Schnellboot „Gepard“ sollen Anfang 2027 an den Bontekai verlegt werden. Dort können Besucher die historischen Kriegsschiffe während der Bauphase weiterhin erleben.

Eine neue Dauerausstellung ab 2029

Ein zentraler Bestandteil der Modernisierung ist die Neugestaltung der Dauerausstellung.

Die zukünftige Präsentation soll neue Perspektiven auf die deutsche Marinegeschichte eröffnen und historische Entwicklungen stärker mit aktuellen gesellschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragestellungen verbinden.

Die Eröffnung ist nach derzeitiger Planung für 2029 vorgesehen.

Im benachbarten Küstenmuseum wird während der Bauphase die Sonderausstellung „Aufgetaucht!“ über die Modernisierung informieren und einen Ausblick auf die zukünftige Ausstellung geben.

Ein neuer Museumshafen und zusätzliche Ausstellungsflächen

Neben der inhaltlichen Neugestaltung sind umfangreiche bauliche Maßnahmen vorgesehen.

Die historischen Kajenanlagen aus dem 19. Jahrhundert sollen saniert werden. Außerdem ist ein neues Erweiterungsgebäude geplant, das zusätzliche Flächen für Ausstellungen, Veranstaltungen und museumspädagogische Angebote schaffen wird.

Ein modernes Depot soll die fachgerechte Aufbewahrung der umfangreichen Sammlung verbessern.

Die gesamte Modernisierung soll voraussichtlich bis 2030 abgeschlossen sein.

Deutsches Marinemuseum Wilhelmshaven – Fakten im Überblick

Merkmal Fakten
Name Deutsches Marinemuseum
Standort Wilhelmshaven, Niedersachsen
Adresse Südstrand 125, 26382 Wilhelmshaven
Eröffnung 1998
Museumsgebäude Ehemalige Scheibenhofwerkstatt der Kaiserlichen Werft
Baujahr des Gebäudes 1888
Themenschwerpunkt Geschichte der deutschen Marine von 1848 bis heute
Größtes Museumsschiff Lenkwaffenzerstörer „Mölders“ (D 186)
Länge der „Mölders“ ca. 134 Meter
U-Boot U 10, Klasse 205, Baujahr 1967
Schnellboot „Gepard“ (S 71), Klasse 143A
Weiteres Museumsschiff Minenjagdboot „Weilheim“ (bis Oktober 2026)
Besondere Exponate Historische Schiffsgeschütze, Torpedos, Seeminen und Schiffsmodelle
Dauerausstellung „Menschen – Zeiten – Schiffe“
Besuchsdauer ca. 2–3 Stunden
Besonderheit Mehrere ehemalige Kriegsschiffe können von innen besichtigt werden
Geplante Modernisierung 2027–2030

Deutsches Marinemuseum besuchen – Öffnungszeiten, Eintritt und Anfahrt

Wo befindet sich das Deutsche Marinemuseum?

Das Museum liegt unmittelbar am Südstrand von Wilhelmshaven, nur wenige Gehminuten von der historischen Kaiser-Wilhelm-Brücke entfernt.

Durch seine Lage am Wasser lässt sich der Besuch gut mit einem Spaziergang entlang der Südstrandpromenade verbinden.

Hier findest du das Museum auf der Karte

Anfahrt und Parkmöglichkeiten

Mit dem Auto ist das Museum über die Innenstadt und die Zufahrten zum Südstrand erreichbar.

Kostenpflichtige Parkmöglichkeiten befinden sich unter anderem am Helgoland-Kai und in der Nähe der Kaiser-Wilhelm-Brücke. Von dort sind es jeweils nur wenige Gehminuten bis zum Museum.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Museum unter anderem über die Bushaltestellen „Kaiser-Wilhelm-Brücke“ und „Südstrand“ erreichbar. Die Bedienung einzelner Linien kann saisonal variieren.

Wie viel Zeit sollte man für den Museumsbesuch einplanen?

Für die Dauerausstellung und die Besichtigung der wichtigsten Museumsschiffe empfiehlt es sich, mindestens zwei bis drei Stunden einzuplanen.

Wer sich ausführlicher für Marinegeschichte interessiert und die verschiedenen Ausstellungsstücke genauer betrachten möchte, kann problemlos einen halben Tag im Museum verbringen.

Besonders die Besichtigung des Zerstörers „Mölders“ nimmt einige Zeit in Anspruch, da mehrere Decks erkundet werden können.

Ist das Marinemuseum barrierefrei?

Die Innenausstellung ist weitgehend barrierefrei zugänglich. Bei der Besichtigung der historischen Kriegsschiffe und des U-Bootes bestehen jedoch erhebliche Einschränkungen.

Steile Treppen, schmale Durchgänge und hohe Schwellen gehören zur ursprünglichen Konstruktion der Schiffe. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität sind diese Bereiche deshalb nur bedingt oder gar nicht zugänglich.

Häufig gestellte Fragen zum Deutschen Marinemuseum Wilhelmshaven

Welche Kriegsschiffe kann man im Marinemuseum besichtigen?

Zu den wichtigsten begehbaren Exponaten gehören der Lenkwaffenzerstörer „Mölders“, das Unterseeboot U 10 und das Schnellboot „Gepard“. Bis zum 31. Oktober 2026 kann außerdem das Minenjagdboot „Weilheim“ besichtigt werden.

Kann man das U-Boot U 10 von innen besichtigen?

Ja. Besucher können das ehemalige Bundesmarine-U-Boot betreten und verschiedene Bereiche des Bootes erkunden. Dazu gehören unter anderem die engen Mannschaftsräume und technische Einrichtungen.

Wie groß ist der Zerstörer „Mölders“?

Der ehemalige Lenkwaffenzerstörer ist rund 134 Meter lang und etwa 14 Meter breit. Während seiner aktiven Dienstzeit gehörten mehr als 300 Soldaten zur Besatzung.

Ist das Deutsche Marinemuseum für Kinder geeignet?

Ja. Besonders die großen Museumsschiffe und das U-Boot sind für viele Kinder ein eindrucksvolles Erlebnis. Aufgrund der steilen Treppen und engen Durchgänge sollten jüngere Kinder beim Rundgang begleitet werden.

Wie lange dauert ein Rundgang durch das Marinemuseum?

Für einen Besuch sollte man etwa zwei bis drei Stunden einplanen. Wer sämtliche Ausstellungsbereiche ausführlich erkunden möchte, benötigt entsprechend mehr Zeit.

Gibt es im Marinemuseum auch Schiffe aus dem Zweiten Weltkrieg?

Die großen begehbaren Museumsschiffe stammen überwiegend aus der Zeit der Bundesmarine nach 1945. Historische Exponate, Dokumente und Originalteile von Kriegsschiffen behandeln jedoch auch die Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Wird das Marinemuseum ab 2027 geschlossen?

Nein. Während der umfangreichen Modernisierung soll der Museumsbetrieb an zwei Standorten weitergeführt werden. Die Dauerausstellung und U 10 bleiben am Südstrand, während der Zerstörer „Mölders“ und das Schnellboot „Gepard“ an den Bontekai verlegt werden.

Wann wurde das Deutsche Marinemuseum eröffnet?

Das Museum wurde 1998 eröffnet. Sein historisches Hauptgebäude stammt bereits aus dem Jahr 1888 und gehörte ursprünglich zur Kaiserlichen Werft Wilhelmshaven.

Fazit: Marinegeschichte zum Anfassen

Das Deutsche Marinemuseum in Wilhelmshaven ist weit mehr als eine klassische militärhistorische Ausstellung. Die Verbindung aus historischen Dokumenten, technischen Exponaten und begehbaren Kriegsschiffen ermöglicht einen ungewöhnlich unmittelbaren Zugang zur Geschichte der deutschen Seestreitkräfte.

Besonders der Lenkwaffenzerstörer „Mölders“ und das Unterseeboot U 10 machen deutlich, unter welchen Bedingungen Marinesoldaten während des Kalten Krieges ihren Dienst versahen. Gleichzeitig vermittelt die Dauerausstellung einen umfassenden Überblick über die wechselvolle Geschichte der deutschen Marine seit 1848.

Die geplante Modernisierung ab 2027 wird das Museum in den kommenden Jahren weiter verändern. Schon heute zählt es zu den bedeutendsten maritimen Sehenswürdigkeiten Niedersachsens und ist ein lohnendes Ausflugsziel für Geschichtsinteressierte, Technikbegeisterte und Familien.

Quelle
Deutsches MarinemuseumUmbau ab 2027Aussonderung der „Weilheim“Stadt WilhelmshavenWilhelmshaven Touristik
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Christoph

Hallo ich bin Chris, Hobbyfotograf und Tourismus-Blogger aus dem schönen Buchholz in der Nordheide. Ich habe ein Faible für Geschichte, Architektur sowie Naturaufnahmen. Folge mir auf Google Maps oder hier:

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